![]() ![]() ![]() ![]() |
|
|
20.6.03
"So kündigt sich also ein langes, schönes Ende an. Es wird einige Zeit dauern, bis die neuen, aus dem Nichts auftauchenden Stämme sich an ihrer Beute satt gegessen, bis sie sie verdaut, ihren eigenen Verhältnissen angepasst, vervollkommnet und schließlich in eine Parodie ihrer selbst verwandelt haben werden. Doch bevor das eintritt, wird das alte Europa einen zweiten Frühling erleben. Während es in der Welt seinen Erfolg einbüßt, gewinnt es ihn für einige Zeit in den eigenen Augen wieder. Es wird Wohlstand, Sicherheit, Ordnung, Zufriedenheit und Exklusivität exportieren können, wie es bisher Autos, Kleidung und Essen exportiert hat. Natürlich wird man diese vielschichtige, empfindliche nichtmaterielle Ware ständig modifizieren müssen, damit sie den unberechenbaren Geschmack der unbekannten Völker trifft, man wird ständig ihre Attraktivität erhöhen müssen. Zumindest, solange die fernsten Ränder des Kontinents die Geheimnisse der selbstständigen Produktion noch nicht beherrschen. Nicht ausgeschlossen, dass das alte Europa dann nicht mehr gebraucht wird." (Andrzej Stasiuk in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Juni 2003) "Der Plan für die kommenden Jahrzehnte sieht ungefähr so aus: Die Zigeuner werden mit ihren Wagen ankommen und mitten auf den Champs-Elysées ihr Lager aufschlagen, bulgarische Bären werden auf dem Berliner Kudamm ihre Kunststücke vorführen, halbwilde Ukrainer gründen in der Poebene, vor den Toren Mailands, ihre misogynen Kosakeneinheiten, besoffene und in Gebete versunkene Polen verwüsten die Weinberge an Rhein und Mosel und pflanzen dort Sträucher an, die mit reinem Spiritus gefüllte Früchte tragen, dann ziehen sie weiter, singen ihre Litaneien und halten erst am Rande des Kontinentes an, in dem erzkatholischen, für seine Wunder berühmten Santiago de Compostela. Schwer zu sagen, was die Rumänen mit ihren Millionen von Schafherden machen werden – zeichnet sich dieses Volk doch vor allem durch Schafzucht aus, zum anderen aber durch Unberechenbarkeit. Serben, Kroaten und Bosnier überqueren mit ihren dalmatinischen Einbäumen den Ärmelkanal und balkanisieren Britannien, das ein für alle Mal, wie von Gott befohlen, in Schottland, England und Wales aufgeteilt wird." (Andrzej Stasiuk in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Juni 2003) 17.6.03
"Die EU, so bemerkte Jane Kramer vom New Yorker trocken, sei einfach kein 'sexy subject'." |
|