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Jean Baudrillard says...
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17.5.03
Gerrit says:
 


Gerrit says:
 
  
... Ich lese in der Zeitung von heute Morgen etwas, was weder Kafka noch Calvino hätte erfinden können: Polnische Truppen gehen nach Irak. Unter amerikanischer Obhut. Bitte, wir sind in einer Phantasiewelt, jetzt wo die Pax americana die Welt regiert. Die wird nicht immer dauern. Auch die englische Pax britanica musste eines Tages enden.
  
Hat die Pax americana etwas Bedrohliches für Sie?
  

Sehr. Weil sie zum Auslöschen der Kulturen, der Sprachen führt. Neben der Chinesischen Mauer finden sie heute einen Mc Donald. Der Durchschnitt der Menschheit hat ja das Recht zu sagen, Herr Steiner, wir scheren uns nicht um Ihre schönen Bücher und um ihre komplizierten, wahrscheinlich vielleicht falschen Ideen. Wir haben Recht auf Glück. Und das ist amerikanisch, dass man das Recht hat, glücklich zu sein. Und das Glück der Masse ist das Fußballspielen. Die zwei einflussreichsten Namen auf der Erde waren Maradonna und Madonna. Und als der Maradonna dem Tor entgegenläuft und mit der Hand den Ball hineinwirft und schreit: Es ist die Hand Gottes, das war die wichtigste metaphysische Aussprache des Jahrhunderts. Es la mano de Dio.

George Steiner im Interview mit Ijoma Mangold in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2003

Gerrit says:
 
  
Seit Januar, seit Donald Rumsfeld vom „alten Europa“ gesprochen hat, scheint Europa hin und her gerissen zwischen Ohnmacht und Narzissmus...
  
...dieses Europa ist seit dem Kosovo Dreck.
  
Europa ist im Balkan gescheitert?
  

Niemand hier, vielleicht nicht einmal der Minister, kann sich die Verachtung Amerikas vorstellen. Verachtung dafür, dass Europa seine kleine, verzeihen Sie das Wort, seine kleine Sch... im Balkan nicht aufräumen konnte und amerikanische Hilfe brauchte. Niemand hier versteht die Verachtung, die ganz legitime Verachtung für diesen reichen Kontinent. Diese Herablassung kann man nicht mehr kurieren. Das wird sehr lange dauern. Die Franzosen haben jetzt eine tierische Angst vor der amerikanischen Rache. Aber tierisch, eine Panik, was werden ihnen die Amerikaner antun. So herrscht eine narzisstische, masochistische Traurigkeit.

George Steiner im Interview mit Ijoma Mangold in der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2003

15.5.03
Gerrit says:
 


Matthew Barney: Cremaster 2, 1999, Standfoto

Gerrit says:
 
"Die Scheidung ist längst überfällig. Wenn die Vereinigten Staaten das 'alte Europa' nun in Fragen von strategischer Bedeutung ignorieren, werden sie endlich frei sein von dem gescheiterten Modell europäischer Diplomatie, das der Welt so viele schreckliche Kriege, unbrauchbare Grenzen und ungestörte Diktatoren beschert hat. Die Streiche, die man in Paris und Berlin ausgeheckt hat, haben Washington in die Lage versetzt, sich dem Bann einer langen Hörigkeit zu entziehen und aus einem tiefen Schlaf zu erwachen, in dem Amerika sich in seinen Entscheidungen von den Geistern Europas heimsuchen ließ." (Ralph Peters, Hitler war wenigstens ehrlich)

Gerrit says:
 
"Doch in anderer Hinsicht erwies Schröder sich als echter Europäer. Er kritisierte, aber bot keine eigenen brauchbaren Lösungen an. Er stellte Schlagworte über Ideen und Bequemlichkeit über ethische Belange. Und er gab kleinlichen Egoismus als politisches Heldentum aus. Welche Eigenschaften könnten das Europa des einundzwanzigsten Jahrhunderts besser charakterisieren?" (Ralph Peters, Hitler war wenigstens ehrlich)

Gerrit says:
 
"Oh, wir wissen, wie ihr uns seht. Ihr sagt es uns ja ständig. Wir sind ungebildet, weil wir nicht sagen können, wann die Uraufführung des Rheingolds war. Wir sind herzlos, weil unsere Gesellschaft Chancen über Sicherheit stellt. Wir sind naiv, weil wir eure Vorurteile nicht teilen. Wir sind Kriegstreiber, weil wir immer noch glauben, daß ein paar Dinge es wert sind, verteidigt zu werden." (Ralph Peters, Hitler war wenigstens ehrlich)

Gerrit says:
 
"Wir dachten, ihr wäret erwachsen, aber von der anderen Seite des Atlantiks aus wirkt ihr wie verzogene Kinder. Und eure jüngsten Wutausbrüche haben Big Daddy Amerika veranlaßt, euch auf den Stufen des strategischen Waisenhauses auszusetzen." (Ralph Peters: Hitler war wenigstens ehrlich, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2003)

Gerrit says:
 


Gerrit says:
 
"Präsident Bush ist ein Texaner, wie die Europäer nur zu gerne betonen. Aber die französischen und deutschen Geheimdienste haben den Charakter der Texaner offenbar nicht verstanden. Sie reden nicht kunstvoll daher, aber sie handeln entschlossen. Sie sind keine Relativisten. Texaner glauben, daß es einen Unterschied zwischen Gut und Böse gibt. Und wenn ein Texaner offen beleidigt und insgeheim hintergangen wird, nimmt er das nicht freundlich auf. Es ist nicht ratsam, einem Texaner öffentlich entgegenzutreten, sofern man nicht die Absicht - und die Mittel - hat, die Sache bis zum Ende durchzufechten. Den Texanern ist es sogar vollkommen egal, wo auf der Landkarte Europa liegt. Im Augenblick sind wir alle Texaner. Ihr habt uns keine Wahl gelassen." (Ralph Peters: Hitler war wenigstens ehrlich, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2003)

Gerrit says:
 


Gerrit says:
 
"Nun habt ihr uns aufgeweckt, und wir sehen, daß Europas Einfluß nur ein Erbe von Albträumen war. Wir werden eure blutbeschmierten, verrotteten Regeln für das internationale System nicht länger hinnehmen, sondern unsere eigenen Regeln schaffen. Ihr werdet nicht viele unserer neuen Regeln mögen. Aber den Ausspruch Friedrichs des Großen über Maria Theresia abwandelnd, könnte man sagen, ihr werdet weinen, aber euren Anteil an der Beute einstreichen. Infolge einer Reihe bemerkenswerter Fehlkalkulationen haben Frankreich und Deutschland ihren Rückhalt verloren - nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in der ganzen Welt. Ihr hattet euren Moment in der antiamerikanischen Sonne. Aber um zwölf Uhr mittags erwiest ihr euch als machtlos und unfähig." (Ralph Peters: Hitler war wenigstens ehrlich, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Mai 2003)