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10.5.03
"Zum anderen aber hat sich durch die konfliktreichen Auseinandersetzungen mit den USA um den dritten Golfkrieg eine Form europäischen Selbstwertgefühls herausgebildet, das seine sicherheitspolitische Ohnmacht kulturell kompensiert. Die transatlantische Entfremdung wurde - nicht nur von europäischer Seite - auch als Kulturkampf begriffen, der sich nun überraschenderweise nicht zwischen islamischer und westlicher, sondern zwischen Alter und Neuer Welt entfacht hat." (Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 11. April 2003) STEVE: It's odd how mainstream porn has become. SLAVA: I agree. The actors look like daytime TV stars. American gay porn in particular has turned from being a very experimental and radical genre into the most conservative thing. Look at what James Bidgood, or Kenneth Anger, or Peter Berlin were doing in the late '60s. The paradox is that the industry still attracts a lot of creative and rebellious people who are trying to escape the mainstream. STEVE: You said "American gay porn" a second ago. As opposed to what? European? SLAVA: Oh yeah. For example, the stuff from Berlin is dirtier, harder. Czech porn is very sweet, very vanilla. It's meant to oblige. (Slava Mogutin im Gespräch mit Steve Lafreniere, Index magazine, April 2002) via Malorama "Als Sohn einer aus der Tschechoslowakei emigrierten Arbeiterfamilie ist Warhol einer der wenigen zeitgenössischen Künstler, die der Arbeiterklasse entstammen. Vieles, was an ihm als wundervolle, engelsgleiche Eigenart auffiel, erscheint im Licht der Gier der modernen amerikanischen Arbeiterklasse nach Produkten und Werten kapitalistischer Populärkultur erklärbar. Ein ambivalentes Verhältnis dazu findet sich eher im Mittelstand, der ihre Verfügbarkeit von Geburt an als selbstverständlich betrachtet. Warhols enthusiastische Einschätzung dieser auf Sachwerte und Berühmtheit ausgerichteten Kultur, die durch den relativ intimen Umgang mit der sozialen Kehrseite dieser Kultur (in den Todesarten der unteren Klassen durch Autounfall und elektrischen Stuhl) verdunkelt wurde, verschaffte ihm im Wettstreit um die Aufwertung des Alltäglichen einen entscheidenden Vorteil." (Peter Schjeldahl: Warhol und die Klassengesellschaft, Art in America 1980) 9.5.03
![]() Gianni Motti: The Queen's Golden Jubilee, 2001, Performance, East Wing Collection No. 5, Courtauld Institute of Art Somerset House, London Ich bin nun mal Europäer. Ich bin zu einer Art objektiven, historischen Nihilismus verurteilt. Man muß sagen, daß alles Radikale, das man in dieser Gesellschaft tun oder sagen kann, immer nur die Radikalität dieser korrumpierten Gesellschaft umfaßt. Man wird nie eine andere Wahrheit aussprechen können, als die, die diese Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt betrifft. Man kann keine Freiheit mehr von innen her erobern. Da ist der Übergang in eine andere Welt, in eine radikale Andersheit, die einen nicht braucht, um zu existieren, und für die Amerika als Metapher steht, schon mehr wert. Ist Amerika "gegenüber der Melancholie der europäischen Analysen" immer noch das Land der verwirklichten Utopie? In Amerika gibt es tatsächlich immer noch etwas von der Maßlosigkeit und dem magischen Paradox der verwirklichten Utopie. Ohne sich Illusionen zu machen, ist diese Utopie die der verwirklichten Banalität, also einer transversalen Gleichwertigkeit von allem und einer Gleichheit der Schicksale auf niedrigem Niveau. (Paroxysmus, S. 130) "Aus dieser Entstehungsgeschichte der europäischen Nationalstaaten lässt sich lernen, dass die neuen Formen der nationalen Identität einen künstlichen Charakter haben, der sich unter nur unter bestimmten historischen Voraussetzungen während eines längeren, über das ganze 19. Jahrhundert sich erstreckenden Prozesses herausgebildet hat. Diese Identitätsformation verdankt sich einem schmerzlichen Prozess der Abstraktion, der lokale und dynastische Loyalitäten schließlich in dem Bewusstsein demokratischer Staatsbürger, zur selben Nation zu gehören, aufgehoben hat. Wenn das zutrifft, gibt aber es keinen Grund zu der Annahme, dass die Formierung eines solchen Typs staatsbürgerlicher Solidarität an den Grenzen des Nationalstaates Halt machen müsste." (Jürgen Habermas, 26. Juni 2001) I've come off and on over many decades. It's a particular pleasure to be back in Europe! I'm told that when I used the phase "old Europe" the other day, it caused a bit of a stir. I don't quite understand what the fuss is about. As I said at the time - at my age, I consider "old" a term of endearment. Like an old friend. (Munich, February 8) Heute konzentrieren sich nun alle Energien, die der Völker, ganzer Minderheiten und die der Individuen auf diese lächerliche Vergewisserung, diese Feststellung ohne Stolz: Ich bin! Ich existiere! Ich lebe, Ich heiße Soundso, ich bin Europäer! Man muß das Selbstverständliche beweisen, und auf einmal ist es überhaupt nicht mehr selbstverständlich. Die Identität ist ein unlösbares Problem. Ob es einem gefällt oder nicht, sie ist das verzweifelte Phantasma des gesamten technisch-rationalen Unternehmens. (Paroxysmus, S. 79) |
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